
Wenn ich ein neues Notizheft aufschlage, habe ich zunächst immer ein bisschen zu viel Respekt vor dem Papier.
Die sauberen Seiten sollen nur mit klugen Gedanken in gut lesbarer Schrift gefüllt werden. Das klappt natürlich nie. Früher oder später schreibe ich doch wieder dullen Käse auf, der besser nie festgehalten worden wäre; früher oder später streiche ich wild im Text herum; früher oder später wird meine Schrift unleserlich, weil ich in unbequemer oder zu bequemer Haltung geschrieben habe.
Doch dieser Moment der Kapitulation vor der Wirklichkeit befreit. Sobald der Wunsch nach Perfektion erlischt, kann die Arbeit am Text beginnen.
Am besten ist es daher, direkt mutwillig das Tintenfass über die erste Seite zu gießen, das Papier zu knicken oder das ganze Heft achtlos in den Rucksack zu werfen und unter Supermarkteinkäufen zu begraben, bis es nicht mehr sauber ist, sondern ein nutzbares Werkzeug.